Presse

CATHARINA MAY

Regie


FRÜHLINGS ERWACHEN


nachtkritik, 4. August 2018

"Erster Sex in der Natur"

von Jan Fischer


Frühlings Erwachen – Catharina May inszeniert im Rahmen des Festivals 'Theaternatur' Frank Wedekind und entlockt dem alten Stoff zeitlose Fragen


Elend und Sorge sind nicht weit. Ein paar Kilometer nur liegen diese beiden Oberharzer Ortschaften von Benneckenstein entfernt, wo Catharina May im Rahmen des Festivals "Theaternatur" Frank Wedekinds Pubertäts-Tragödie "Frühlings Erwachen" inszeniert. Elend und Sorge herrschen auch auf der Freilichtbühne von Benneckenstein, wo das Festival nun schon im vierten Jahr stattfindet, nachdem die Waldbühne gute 20 Jahre nicht bespielt worden ist. Es sind die Sorge der Erwachsenen und das Elend der Pubertät, die auf der Bühne gezeigt werden. Denn es sind die Erwachsenen, die bei Wedekind ihre pubertierenden Kinder vor allem bewahren wollen – am meisten vor ihrer erwachenden Sexualität. Und zwar am besten so, dass die Kinder gar nichts erfahren.


Die Kinder bringt der Storch, und überhaupt: "Um ein Kind zu bekommen, musst du einen Mann lieben, wie du noch gar nicht lieben kannst", bekommt die 14jährige Wendla zur Antwort, als sie ihre Eltern fragt, wie das überhaupt geht mit den Kindern. Die Jungs derweil tauschen sich über die Details aus, Melchior weiß Bescheid und erklärt es seinem seinem Kumpel Moritz, und zwar ausführlich und in einem selbst geschriebenen und illustrierten Dokument. Moritz plagen daraufhin Schuldgefühle, weil er immer nur an das eine denkt – "Wenn ich ein schönes Mädchen sehe, sehe ich es ohne Kopf" – und erschießt sich schließlich aufgrund dieser Schuldgefühle und schulischen Drucks.


Melchior bekommt wegen seines Sexualerziehungsdokumentes die Schuld an Moritz’ Selbstmord zugeschoben – so etwas reiche schließlich, um einen jungen Geist zu verwirren – und muss in die "Korrektionsanstalt". Zuvor schwängert er versehentlich Wendla, die dann bei der Abtreibung umkommt, die ihre Mutter vornehmen lässt. Kurz gesagt: In "Frühlings Erwachen" findet kaum einer der Pubertierenden das Glück, weder in der Liebe noch in der Sexualität.


Ein verstaubter Stoff


Wedekinds Stücktext von 1891 krisitiert die von sexuellen Tabus geprägte Erziehungsmethoden seiner Zeit. Darin, und in seiner sperrigen Sprache, wirkt der Text durchaus veraltet – man mag sich heutzutage streiten, wann und wie genau Schulkinder etwas über nicht heteronormative Sexualitäten und Beziehungsmodelle lernen sollen. Es mag auch sein, dass auch heutzutage die Sexualerziehung das ein oder andere Defizit aufweist oder von dem ein oder anderen Tabu geprägt ist. Dass Kinder, gerade auch Pubertierende, nicht ausreichend aufgeklärt würden, darüber dürfte in Zeiten frei verfügbarer Informationen im Netz und Sexualkundeunterricht in der Grundschule wohl kaum mehr zu reden sein.


Catharina Mays Inszenierung von "Frühlings Erwachen" versucht dem leicht angegrauten Stück ein wenig Zeitgenossenschaft zu verleihen. Die Bühne: Minimalistisch und schwarz glänzend, im Hintergrund ein Paravent aus LED-Bildschirmen, über die impressionistisch anmutende Bilder flackern. Hin und wieder rupfen dazu elektronische Beats und Harmonien die Sprache auseinander. Die Eltern werden als gesichtslosen Wesen dargestellt, die im Chor sprechen und sich immer wiederholende Choreographien von Alltagsverrichtungen wie Nähen oder Tee kochen abarbeiten während sie ihre Kinder vor den Kopf stoßen. Die Gruppe aus Pubertierenden wiederum irrt auf sich allein gestellt durch den katastropischen Horror der erwachenden Sexualität.


Landflucht und Fehlkommunikation


Damit nähert sich der Stücktext thematisch an das Motto des diesjährigen "Theaternatur"-Festivals "Fremde neue Welt" an. Schwerpunktmäßig soll es da auch um die Landflucht der Jungen und damit eingehende Überalterung der Region gehen, die sich gerade in den ländlichen Gegenden des Harzes zu einem Problem entwickelt hat. In der Eröffnungsinszenierung des Festivals, Shakespeares "Sturm", deutet der künstlerische Leiter Janek Liebetruth – der in Benneckenstein aufgewachsen ist – Prosperos Exil als Vereinsamung im Alter. Mit "Frühlings Erwachen" liefert Catharina May das Gegenstück dazu: Es sind die Jungen, die einsam sind und von den Alten nicht verstanden werden. Im Kern geht es in Mays Inszenierung weniger um Sexualerziehung und Aufklärung als vielmehr um einen Generationenkonflikt, in dem Fehlkommunikation zwischen der Elterngeneration und ihren Kindern herrscht. Und Elend und Sorge folgen.


Die Inszenierung umschifft so angestaubten Text, indem sie ihn als beispielhaft für diese Fehlkommunikation behauptet. Das Ensemble wiederum gibt die Figuren mit Spaß am Überdrehten gar nicht so sehr als Individuen, sondern als schemenhafte Schablonen Pubertierender mit all ihrem Triebdruck und dem hormongespeisten Hang zu Dramatik. So entsteht auf der Bühne im Kiefernwald tatsächlich ein Abend, der aus Wedekinds Vorlage einen beispielhaften Konflikt hervorkitzeln kann. Nämlich den zwischen Eltern, die in starren, selbstähnlichen gesellschaftlichen Systemen gefangen sind und nichts anderes mehr verstehen und Jugendlichen, die mit diesen Systemen nichts anfangen können, sie noch nicht einmal nachvollziehen, und ihr Heil in der Flucht suchen. Koste es, was es wolle.



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DIE RATTEN


nachtkritik, 16. März 2018

"Das Wanken des inneren Eigenheims"

von Tim Schomacker


Die Ratten – Mit pointierter Figurenzeichnung und Gespür fürs Klassenbewusstsein im Sprechtext inszeniert Catharina May in Celle Hauptmanns Klassiker


Ich vermute, Sie kennen das: Ziemlich bald an einem Theaterabend setzt sich ein Gedanke in ihrem Kopf fest, ein Name, ein Wort. Und Sie werden das dann nicht mehr los. Oder den. An diesem Abend lautete das Passwort: Tennessee Williams. So wie Dirk Böther in diesen Hauptmannschen "Ratten" den Maurerpolier John spielt, hochaufgeschossen im gestreiften Hemd, Pomade im dunklen Haar, den Rücken übergerade, als würde er hier, daheim, im Berliner Mietshauskörper, die monatelangen Buckelstunden der Arbeit auf Montage in Altona von sich weghalten wollen, schaut er aus wie geborgt von Tennessee Williams. Nicht nur wegen des gestreiften Hemds, der Frisur und der sauberen Heimgehhose. Jut wie Blut, mit ziemlich robustem gesundem Menschenverstand, mit feuchten Augen, wenn sein inneres Eigenheim ins Wanken gerät, für das er so viel schuftet.


Figuren von ganz woanders her


Regisseurin Catharina May setzt bei ihren "Ratten" auf pointierte Figurenzeichnung, um etwas herauszuholen aus dem alten Hauptmann. Umschifft so geschickt das eingleisige dramatische Diskutieren von (Möglichkeit 1) Naturalismus und (Möglichkeit 2) Hartz IV. Beides ist irgendwie drin in diesen konzentrierten wie kurzweiligen zweieinhalb Stunden. Aber nur in der Halbdistanz. Diese Perspektive auf das Sozialdrama mit reichlich Jahren auf dem Buckel tut dem Text gut. Und auch dem Gesamtbild.


Der Clou dabei ist, dass May das Personal jeweils in sich geschlossen präsentiert – aber so, dass ein ziemlich disparates Gesamtbild entsteht. Denn alle Figuren scheinen ganz woanders herzukommen. Ohne wiederum direkt herbei-zitiert worden zu sein in dieses Berliner Hauptmann-Mietshaus. Polier John, wie gesagt, trägt ungefähre Williams-Züge, auf Gesicht und Seele seines Schwagers Bruno, der schließlich zum Mörder wird, lastet ein leiser Joker-Schatten (Ledger, Batman). Johanna Marx‘ Poliersgattin Henriette John hat mit den Grüntönen ihres Hosenanzugs auch ein wenig Almodóvar angezogen, derweil das überstürzt schwangere Dienstmädchen Pauline in Natascha Heimes Version etwas von der Überspanntheit gegenwärtiger Youtuberinnen atmet. In einem bemerkenswerten Kurzauftritt einmal trunken an der Wand lang verwandelt Niklas Hugendick die familiär komplett überforderte, sozial selbst hier unten ziemlich aussortierte Nachbarsfrau Knubbe in etwas unvermutet Gena-Rowlands-haftes. Und so weiter und so fort.


Soziale Verwerfungen, boulevardesk gewendet


Gerade weil sie nicht alle Berlin um Neunzehnhundert sind, scheint es, können sie heute im Hauptmann auftauchen. Können die Handlung voran peitschen, die immer abstrusere Volten schlägt. Frau John entlastet Pauline um die Kindsfürsorge, nimmt deren ungewollten Sohn an (um das frühverstorbene eigene Albertchen zu ersetzen). Damit der Gattenpolier nichts merkt vom Tausch, muss Pauline fort. Final fort schließlich, was Henriettes zwielichtig-aufgeschmissener Bruder Bruno besorgt. Parallel bastelt der vom Glück verlassene Theaterdirektor Hassenreuter am Zurückerlangen abhanden gekommener Grandezza – und versucht gleichzeitig, sein Theater gegen Neuerungen abzudichten. Blöderweise (für ihn), aber auch gut (fürs Stück) symbolisiert der Theologiestudent-wird-engagierter-Schauspieler Spitta alles Neue: theatertheoretisch, sozial und auch familiär. Will er doch Hassenreuters Tochter Walburga nicht nur als Hauslehrer seinen Schützling nennen. Wie Irene Benedict und Christoph Schulenberger dieser boulevardesk immer wieder aufgeschobenen amourösen Angelegenheit zugleich Schüchternheit und Zukunftskraft einimpfen, indem sie ihre Körperbewegungen langsam von ungelenker Eckigkeit in etwas Rundes, Fließendes überführen, gehört zu den Höhepunkten des Abends.


Gewiss hätte Mays Blick auf ihre Ratten mutigere choreographische Konsequenz vertragen, mehr Selbstvertrauen im Sinne des abstrakteren Spiels. Doch auch so gelingt ein ansprechendes Gebilde, das Berlin um Neunzehnthundert mit seinen sozialen Verwerfungen (und mit seinen Erzählproblemen: wer spricht hier überhaupt über wen?) bis in die Gegenwart verlängern kann. Das liegt am Ensemble, das seiner Regisseurin folgt. Das liegt vor allem aber an Jenny Schleifs eindrucksvollem Mietshauskörper. Sie hat einen nach hinten sich leise verjüngenden horizontalen Holztrichter gebaut, in dem alles stattfindet. Dies Gebilde schluckt Figuren, speit sie wieder aus, bedient (eingelassene Türen) screwballartiges Tempo ebenso wie (schlaue Lichtschlitze) hochkonzentrierte leise Miniatur. Lässt Licht und Leute durch Schächte herein – kurz: wird zu einem weiteren, bisweilen böse atmenden Akteur. Und bildet so gewissermaßen die Startrampe für das vielleicht größte Plus des Abends. Das ist nämlich gar nicht die Frage des Klassenbewusstseins. Sondern die Frage, wie sich Klassenbewusstsein in Sprechtext ausdrückt. Hier gelingt es May, Hauptmanns vollkunstsprachliches Geflecht aus (scheinbarem oder doch zumindest schwerst bearbeitetem) Berliner Jargon zu lesen als hätte sie es, sprachlich, mindestens mit der Entfernung zu Hebbels "Nibelungen" zu tun. Da beginnt ein eigenartiger Text tatsächlich zu leuchten manchmal. Und das ist ziemlich überraschend.





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KRANKHEIT DER JUGEND


***eingeladen zur Woche junger Schauspieler 2017 in Bensheim***


kulturradio, 6. Januar 2017

"Krankheit der Jugend"

von Hans Peter Göpfert


Ferdinand Bruckners Schauspiel spielt 1923 in Wien und nur in einem einzigen Zimmer. Darin gehen die Gefühle von Studenten kreuz und quer, die nicht wissen, wohin mit ihrem Leben, Lieben und Handeln. Sie quälen sich selbst und gegenseitig, sie erniedrigen sich und kommen dennoch nicht voneinander los.

Der Möchtegern-Schriftsteller, den sie bezeichnenderweise Bubi nennen, verlässt seine Geliebte Marie und wendet sich einer anderen zu, die keusch, tüchtig und raffiniert ist. Marie ihrerseits geht eine lesbische Bindung ein mit Desiree, die lustigerweise verkürzt Desie genannt wird und den merkenswerten Satz spricht: "Ich liebe das Bett".

Desire sucht irgendwie den Ausbruch, findet ihn aber nicht und schluckt schließlich Veronal. Die Pillen hat ihr der ewige Student Freder besorgt, der in diesem Kreis eine besondere Faszination verströmt. Als wäre es nur ein Experiment, schickt er das Zimmermädchen Lucy auf den Strich. Entweder verbürgerlichen oder Selbstmord begehen, das ist die Alternative.

Der besondere Witz


Das Stück, als es 1926 in Hamburg uraufgeführt wurde, war ein Knaller. Es machte den Autor auf Anhieb berühmt. Der besondere Witz war, dass sich hinter dem Pseudonym Ferdinand Bruckner der Direktor des Berliner Renaissance-Theaters verbarg, Theodor Tagger. Der hatte sein eigenes Stück, als es ihm dort angeboten wurde, abgelehnt.

Das war die wunderbare Zeit, als noch reiche Leute ihren Freunden ein Theater, und dann auch noch ein so schönes, einrichteten. Tagger hatte bis dahin als expressionistischer Autor nur mäßigen Erfolg gehabt, dann schwenkte er stilistisch um.


An der Grenze zur Farce

"Krankheit der Jugend" ist, seit es Peer Raben 1973 am Bremer Theater reanimiert hat, immer wieder neu entdeckt worden. In den Siebzigern ließ sich aufschlussreich im jüngeren Seelennebel stochern. Die Verzweiflung der Neuen Sachlichkeit hatte damals noch etwas von einer sich in Gefühlsdingen verdiskutierenden Generation, die ihren Freud gelesen und – 1968 – intensiv durchlebt hatte.

Später fragte man sich, was unterscheidet den Schmerz, der in den Zwanzigern durch die Adern der Sensiblen raste, vom Leiden und Leidenwollen der Nullbock- und No-Future-Generation?

Die jetzige Inszenierung der jungen Regisseurin Catharina May hat nicht den Finger an einem genau datierbaren Zeitgefühl. Sie betrachtet diese jungen Menschen nicht, wie andere Regisseure das taten, wie in einem Laborversuch.

Sie blickt auf sie eher mit einem lachenden als einem weinenden Auge.

Die Aufführung im Pavillon des Berliner Ensembles, Veronal hin oder her, geht immer wieder amüsant an die Grenze zur Farce, und darüber hinaus.

Darstellerisch ein Vergnügen


Diese Inszenierung auf der kleinsten Spielstätte des Berliner Ensembles ist vor allem darstellerisch ein Vergnügen. Alle sieben Darsteller, drei Männer, vier Frauen, stürzen sich mit Lust an grotesker Körperlichkeit ausdrucksstark in ihre Rollen und die witzig aphoristische Sprache.

Anders als der Autor, zwingt die Regisseurin ihre Spieler nicht ins Typenhafte. Das latent Böse ist ihr eher fremd. Angeblich soll die Rolle des alle dominierenden Freder Vorbild für den Kowalski in "Endstation Sehnsucht" gewesen sein. Tennessee Williams lernte Bruckners Stück in Amerika kennen. Sven Scheele, jetzt, ist mehr ein jungen- als ein machohafter und krimineller Charakter oder blutsaugendes Raubtier.

Felix Strobel legt überaus komisch einen hochnervösen und fahrigen Jüngling hin, der ein toller Kerl sein will, aber nicht mal mit dem Korkenzieher und den eigenen Beinen zurechtkommt. Celina Rongen ist in dieser Gefühlssturmflut als Marie im Dauereinsatz, wenn es sein muss, ringkämpfend, eifersüchtig schwankend zwischen dem anderen und dem eigenen Geschlecht.

Bruckner hat seinem Schauspiel zwei Schlüsse geschrieben. Die Regisseurin gönnt ihm und der Darstellerin der Marie einen weiteren. Die steigt nämlich am Ende kurzerhand in einen Kühlschrank. Auch dieser Fridge ist bezeichnenderweise ein Modell, nicht ganz von gestern, aber auch nicht von heute.



Berliner Zeitung, 7. Januar 2017

Verzweiflung in der Blubberblase

"Krankheit der Jugend" im BE-Pavillon

von Ulrich Seidler


Einen Raum ohne Ecken hat die Ausstatterin Maria-Elena Amos für die Studenten gebaut, die unter der "Krankheit der Jugend" leiden. Eine warmfarbige, ausgepolsterte Rückzugsblase mit einem Gründerzeitsofa, einem Sixties-Sessel, ein paar Luftballons und einem so symbolträchtigen wie praktischen Smeg-Kühlschrank: schön rund und in kräftigem Orange. Das Ding kann alles; seine Alkoholika-Vorräte sind trotz permanenten Zuspruchs unerschöpflich; er bietet auch gleich die passenden, stets gespülten Gläser; darüber hinaus fungiert er als Lichtquelle und als Musicbox, der Pop-Loops entblubbern, schließlich sogar als Fluchtweg in die Kälte der echten Welt.


Im kleinen, eng bestuhlten Pavillon des Berliner Ensembles gibt es in der Regie von Catharina May, Assistentin am BE, eine sehr direkte, eindeutige, druckvolle bis dampfige Interpretation von Ferdinand Bruckners 1926 uraufgeführtem Schlechte-Sitten-Stück. Sechs Bürgerkinder nebst Dienstmädchen agieren ihre sexualneurotischen Machtspiele miteinander aus. Das Ehemodell scheint in dem moralischen Einerlei der Nachkriegssinnlosigkeit der Gipfel der Langeweile. Andererseits sind die Kränkungen durch Zurückweisung und die Verletzungen durch Zudringlichkeit, die die sexuellen Befreiungs- und Selbstverwirklichungsversuche mit sich bringen, auch enervierend, schon wegen ihrer Unübersichtlichkeit. Die eigentlich anfangs noch ganz lebensbejahende Marie (Celina Rongen) wurde von dem auf sehr unangemessene Weise von sich selbst überzeugten Jungdichter Petrell (Felix Strobel) wegen der hübschen, aber kalten Irene (Marina Senckel) verlassen. Gleich drei gierige Tröster sind zur Stelle: die nach glamourösem Verderben strebende Desiree (Larissa Fuchs), der erwachsen tuende Alt (Felix Tittel) und der zerstörerische Herzensbrecher Freder (Sven Scheele), der in einem Nebenhumanexperiment das leidlich unschuldige Dienstmädchen Lucy (Karla Sengteller) für sich entfacht und auf den Strich schickt.


Die irgendwie unnötigen Nöte, in die sich die Jugend hier manövriert, werden mit mutigem Wutanfall-, Lüsternheits- und Verzweiflungsrealismus ausgespielt. (...)Manchmal aber - diese Momente gehören den Frauen - erwischt man sich doch: Dann meldet sich die längst überwunden geglaubte jugendliche Verzweiflung an der Sinnlosigkeit der Welt. Menno.



Das Kulturblog, 7. Januar 2017

Krankheit der Jugend

von Konrad Kögler


Bürgerlich zu werden oder Selbstmord zu begehen – zwischen diesen Alternativen schwanken die Figuren in „Krankheit der Jugend“.


Bürgertum oder Suizid – diese beiden Scheinalternativen muten aus heutiger Sicht sehr befremdlich an. Die Generation  der Digital Natives ist davon geprägt, dass ihr so viele Optionen und Lebensmodelle offen stehen wie kaum einer ihrer Vorgänger.


Theodor Tagger, damals Direktor des Berliner Renaissance-Theaters, traf jedoch einen Nerv seiner Zeit, als er unter dem Pseudonym Ferdinand Bruckner im Jahr 1926 von den Gefühls-Verwirrungen der Jugend zwischen den beiden Weltkriegen erzählte.


Am zeitgenössischsten wirkt die Figur des Freder: ein Langzeitstudent, der seine Mitmenschen um den Finger wickelt. Er wechselt ständig seine Sexpartnerinnen und manipuliert das etwas naive Zimmermädchen Lucy (eindrucksvoll-verträumt: Karla Sengteller), bis sie für ihn auf den Strich geht.


Es ist ein Höhepunkt dieser Inszenierung, wie sich Sven Scheeles Freder breitbeinig auf dem Sofa fläzt, sich den Raum nimmt und die weniger selbstbewussten Figuren, die noch nach ihrem Platz im Leben suchen, vorführt. Claus Peymann bewies mit dieser Neuverpflichtung für das Berliner Ensemble, dass er einen wachen Blick für vielversprechende Talente hat.


Ein zweites Kraftzentrum von Catharina Mays „Krankheit der Jugend“-Inszenierung im Pavillon des Berliner Ensembles ist Celina Rongen als Medizinstudentin Marie. Ihr Leben gerät völlig aus der Bahn: erst spannt ihr die Kommilitonin Irene (Marina Senckel) den Mann aus und angelt sich den zappelig-linkischen Möchtegern-Dichter Herrn „Bubi“ Petrell (Felix Strobel), dann scheitert auch noch ihre lesbische, die damaligen Zeitgenossen schockierende Affäre mit ihrer Mitbewohnerin Desiree (Larissa Fuchs).


Catharina May inszeniert ihre zweite Regie-Arbeit am Berliner Ensemble mit genau gezeichneten Figuren und lässt sich für das Ende eine dritte Variante statt der beiden von Bruckner alias Tagger überlieferten Fassungen einfallen. Das Publikum ist diesmal nicht so hautnah am Geschehen wie bei Mays Debüt, als sie Fassbinders Giftmord-Serie „Bremer Freiheit“ auf einem engen Steg mitten im Publikum platzierte. (...)



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Januar 2017

So alt sehen heute frühreife Bürger aus

von Simon Strauss


Was schlimm ist: jung sein und nicht wissen, wohin. Von Selbstzweifeln gequält werden, von Zukunftsangst in Verzweiflung getrieben, der Planlosigkeit hilflos ausgeliefert sein. Am fehlenden Willen leiden. Was aber noch schlimmer ist: jung sein und nichts als Absichten haben. Genau wissen, was man will, wer man ist, wozu man lebt. Immer schon fest im Sattel sitzen und alles unter Kontrolle haben. Kaum laufen können und schon eine Lebensversicherung abschließen, noch nie geküsst, aber schon den Kitaplatz bestellt. Jung sein, nur um erwachsen zu werden – gibt es ein furchtbareres Schicksal?


Ferdinand Bruckners Initiationsdrama „Krankheit der Jugend“ spielt im Wiener Studentenmilieu der frühen zwanziger Jahre: Ein paar „sehr junge“ Mädchen und „etwas ältere“ Jungen treiben sich aus Langeweile gegenseitig in den Wahnsinn, betrügen einander und betteln danach um Hilfe. Sie leben einsam vor sich hin und fühlen sich durch die Begegnung mit den anderen nur noch leerer. Egal wie nah sie sich körperlich kommen – ihre Seelen bleiben einander fremd. Ihr Dasein ist ohne Reiz und Sinn, allein der mögliche Freitod dient ihnen als Stimulus, erregt sie noch. „Entweder man verbürgerlicht, oder man begeht Selbstmord. Einen anderen Ausweg gibt es nicht“, sagt Desiree, die lesbische Medizinstudentin, die später als einzige tatsächlich aus dem Ewigen Totentanz ausbrechen wird.(...)

Eine Jugend, die ihren Platz nicht findet, schwebt also in der Tat „in latenter Lebensgefahr“, wie die böse Irene süffisant feststellt. (...)


Märkische Oderzeitung, 9. Januar 2017

Von Ver­füh­rung und Ver­zweif­lung

von Inga Dreyer


Ber­lin So viel scheint sich nicht ge­tan zu ha­ben mit der Ju­gend in den ver­gan­ge­nen 90 Jah­ren. Im­mer noch krei­sen ih­re Ge­dan­ken zwi­schen Prü­fun­gen für die Uni, Lie­be, Al­ko­hol, Par­ty, Ver­füh­rung, Ver­zweif­lung und der Fra­ge nach dem rich­ti­gen Le­ben.

Nur ein Zim­mer­mäd­chen leis­ten sich Stu­den­tin­nen heu­te eher sel­ten – und vi­el­leicht wür­den sie ih­rem Ge­lieb­ten auch kei­nen Ro­ko­koschreib­tisch schen­ken. Das Stück „Krank­heit der Ju­gend“von Fer­di­nand Bruck­ner, 1926 ur­auf­ge­führt, fei­er­te am Don­ners­tag im Pa­vil­lon des Ber­li­ner En­sem­bles Pre­mie­re. Gro­ßes Dra­ma im schlich­ten Büh­nen­bild ei­ner Stu­den­ten­bu­de mit Kühl­schrank und So­fa. Ma­rie (Ce­li­na Ron­gen) drückt ih­re Lie­be zu Pet­rell (Fe­lix Stro­bel), den sie „Bu­bi“nennt, in hin­ge­bungs­vol­ler Müt­ter­lich­keit aus, aus der er in die Ar­me von Ire­ne (Ma­ri­na Senckel) flüch­tet. De­si­ree (La­ris­sa Fuchs), ge­ra­de noch im Prü­fungs­stress, bie­tet sich an, die hys­te­ri­sche Ma­rie mit ro­man­ti­scher Lie­be zu trös­ten.

Zwi­schen­durch taucht im­mer wie­der der eben­so selbst­ver­lieb­te wie an­ge­sof­fe­ne Fre­der (Sven Schee­le) auf, um die Frau­en der Rei­he nach zu pro­bie­ren. „Da wir uns seit drei Ta­gen du­zen, ist die Hei­rat nur noch Form­sa­che“, sagt er zu Ma­rie.


Der Text von Bruck­ner er­scheint ei­gen­tüm­lich zeit­ge­mäß, gleich­zei­tig poe­tisch, wit­zig und fa­ta­lis­tisch – wie es sich für die Ju­gend ge­hört. „Al­le Men­schen soll­ten sich mit 17 er­schie­ßen. Da­nach gibt es nur noch Ent­täu­schun­gen“, sagt De­si­ree, von La­ris­sa Fuchs mit wun­der­bar ero­tisch an­ge­hauch­ter Ab­ge­klärt­heit ge­spielt. Sät­ze vol­ler In­brunst und Schär­fe flie­gen durch den Raum.

Da­bei ent­ste­hen span­nen­de Sze­nen – et­wa, wenn De­si­ree über­legt, dem Zim­mer­mäd­chen Lu­cy (Kar­la Seng­tel­ler) auf die Stra­ße zu fol­gen und sich den Män­nern an­zu­bie­ten. In die­sen Mo­men­ten ent­wi­ckelt die Ins­ze­nie­rung von Cat­ha­ri­na May ei­ne In­ten­si­tät, die Lust und Schmerz ver­mit­telt. (...)

Vol­ler gu­ter Ide­en ist das mit Slap­stick-ein­la­gen ge­spick­te Spiel von Fe­lix Stro­bel als Pet­rell.(...)Ce­li­na Ron­gen als Ma­rie spielt sich im­mer mehr in Ra­ge, vol­ler Ver­zweif­lung und Lie­bes­kum­mer wälzt sie sich mit Ire­ne am Bo­den.(...)


Neues Deutschland, 13. Januar 2017

Der Exzess weist den Weg in den Abgrund

von Christian Baron


Bürgerlich werden oder sterben: Das Berliner Ensemble zeigt Ferdinand Bruckners »Krankheit der Jugend«

Alle glücklichen Generationen gleichen einander, jede unglückliche Generation ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Die heutige mitteleuropäische Jugend ist eindeutig: unglücklich. Das muss sie ja auch sein, denn sonst gälte sie als künstlerisch belanglos. Auch würde Ferdinand Bruckners 1926 uraufgeführtes Stück »Krankheit der Jugend« dann nicht, wie derzeit im Pavillon des Berliner Ensembles, neu gespielt.(...)


Damals löste das Werk wegen demonstrativ ausgestellter sexueller Ausschweifung und aufgrund eines als sympathisch dargebotenen Weltfluchtankers namens Drogenkonsum einen Skandal aus. Heute gilt es als moderner Klassiker. Was sollte man da noch herausquetschen? Welche Verbindung kann ein 90 Jahre alter Schrieb über gelangweilte Wohlstandskids mit der voll vernetzten, maximal reizüberfluteten und sich lustvoll selbst ausbeutenden »Generation Y« unserer Tage haben?


Ambitionierte Fragen, denen sich die junge Regisseurin Catharina May mit ihrer Neuauflage zwangsläufig stellt. (...)

Gegenüber einem grellgelben Retrokühlschrank fläzt sich Marie (Celina Rongen) auf einem Ledersofa und lackiert sich die Fußnägel. Als Desiree (Larissa Fuchs) den Raum betritt, sprühen die antipathischen Funken bis in die letzte Zuschauerreihe, noch bevor auch nur ein Wort gewechselt ist. (...) Langzeitstudent Freder (Sven Scheele) bringt den die Damenwelt betörenden Playboy durch sein wohl bei Großstadthipstern abgeschautes Pseudoproletentum in unsere Zeit. Marina Senckel (Irene) spielt einen auch heute oft kennenlernbaren Frauentypus, der die Angst vor der Unzulänglichkeit in der noch immer männerdominierten Welt hinter sozialer Distanzsucht versteckt. Und Felix Strobel entstellt seinen Möchtegerndichter Petrell (den alle nur »Bubi« nennen) zu einer Karikatur des absichtsvoll Schusseligen, wie er einem auch dieser Tage über den Weg läuft.(...)

Klar, in dem durchschaubaren Sextrophäensammeln von Freder scheint dieser zum Naturprinzip erhobene Wettbewerbscharakter des Alltags auf, der 1926 in den saturierten Schichten nicht so stark ausgeprägt gewesen sein dürfte wie jetzt. (...) »Verbürgerlichen oder Selbstmord begehen«, raunt Freder seinen Gespielinnen mehrmals entgegen. Ja, das ist auch heute noch vielen Scheinrebellen aus gutem Hause die große Scheinalternative. (...)



pagewizz, 6. Januar 2017

"Krankheit der Jugend"

von Stefan Kassel


Die Regisseurin Catharina May inszeniert ein Verausgabungstheater. Junge Medizinstudenten in einem Studentenwohnheim pendeln zwischen Hysterie, Zynismus und Selbstmitleid.


Fast alle haben sie einen Hang zum Abgründigen und Morbiden. Exemplarisch ist dieser siebenköpfige Wiener Haufen bestimmt nicht. Grenzgänger der Gefühle, stehen die sieben zwar mitten im Uni-Betrieb, aber sie existieren nur an einer Randzone des Lebens, fernab vom pragmatischen Denken und Handeln. Das 1926 uraufgeführte Stück Ferdinand Bruckners, der in Wahrheit der Renaissance-Theaterboss Theodor Tagger ist, spielt in einem einzigen Zimmer, das von Marie (Celina Rongen) bewohnt wird. Auf was sie sich vorbereitet, ist ihre eigene Promotionsfeier, die sie mit ihren schrägen Kommilitoninnen und Kommilitonen ereignisreich zelebrieren möchte. (...)Die von den Sinnen angestachelten Leidenschaften wechseln rasant, die Gefühle lösen sich vom Liebhaber ruckartig los und heften sich an einen anderen. Marie beispielsweise ist mit dem Greenhorn-Dichter Petrell (Felix Strobel) liiert und weist ihre zärtlichskeitsbedürftige Zimmernachbarin Desiree (Larissa Fuchs) zurück, wendet sich dieser aber heftig zu, als sie erfährt, dass ihr anhänglicher "Bubi" Petrell die Studentin Irene (Marina Senckel) wie eine Festung erobern will. Angesichts der geistigen Manifestationen des in praktischen Dingen unbeholfenen Schrifstellers ist nur mit einer lahmen, spröden Lektoren-Prosa zu rechnen. Zwischen all den Suchenden und Verzweifelten oszilliert der Studium-Abbrecher Freder, der, eigentlich ein relativ wilder, unberechenbarer Zeitgenosse mit Neigung zu gesetzenthobener Anarchie, von Sven Scheele noch relativ moderat dargestellt wird. Er verführt das recht einfältige Zimmermädchen Lucy (Karla Sengteller), verleitet sie zu illegalem Handeln und schickt sie auf den Straßenstrich. (...) Zu all den Liebesversuchen gesellen sich noch zumeist stümperhaft ausgeführte Annäherungsversuche, das jeweilige Objekt scheint egal zu sein. Irgendwie muss man die hervorsprudelnden Leidenschaften ja kanalisieren. (...)

Die frei schwebenden Vögel ohne gesellschaftliche Verankerung haben ein gewisses Zerstörungspotential, zerstören aber nur sich selbst. (...) Rongen arbeitet mit rasanten Gefühlswechseln und verausgabt sich im wahrsten Sinne des Wortes. Fuchs' Figur, wohl die interessanteste, die, so wie sich sich gibt, fürs Bett wie geschaffen ist, ist fragil, zart, neigt aber auch zu massiven Ausbrüchen. Am Ende zergeht sie förmlich, sie zerfließt, hinein in den Untergang. (...)




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BREMER FREIHEIT



***Nominierung als Beste Nachwuchsregisseurin bei der Kritikerumfrage 2016 der Theater Heute***




Morgenpost, 22. Mai 2016

Schnaps! Kaffee! Zeitung!

von Alexander Gumz


Catharina May debütiert am Berliner Ensemble mit „Bremer Freiheit“. Ein Stück über Aufopferung, Befreiung und vergiftete Getränke.

Ein rundlicher Herr mit Schnauzer sitzt auf einem Stuhl und sagt Dinge wie: Schnaps! Kaffee! Zeitung! Fenster auf! Ruhe! Eine drahtige, dunkelhaarige Frau rennt vor ihm auf und ab. Aus dem Off kreischen Kinderstimmen: Mama – Spielzeug! In der Mitte des Raums steht, auf einer Art Laufsteg, gezackt wie ein Blitz, eine Kaffeekanne aus Blech auf einem Ofen. Daneben eine Reihe weißer Tassen.


So beginnt Catharina Mays erste Inszenierung am Berliner Ensemble: Rainer Werner Fassbinders "Bremer Freiheit", ein Stück von 1971. Und mit diesem Setting ist das meiste gesagt: Es geht um Unterdrückung, Aufopferung und Befreiung. Und um vergifteten Kaffee.

"Bremer Freiheit" ist dabei kein Kriminalstück – und das, obwohl zahlreiche Leute auf offener Bühne ermordet werden. Es ist auch kein historisches Stück, obwohl es auf einem Fall aus dem 19. Jahrhundert basiert. Es ist ein Emanzipationsstück und ein Stück über die Ausbeutbarkeit von Gefühlen – Fassbinders Grundthema, wie er selbst betonte.


Amtsanmaßung durch Denken

Die Bremerin Geesche Gottfried vergiftet zwischen 1813 und 1827 fünfzehn Menschen, darunter zwei Ehemänner, ihre Eltern, ihren Bruder und ihre drei Kinder. Sie wird nach drei Jahren Haft 1831 öffentlich enthauptet. 30.000 Menschen schauen zu. Das Stück zeigt sie nicht als Monster, geht vielmehr ihren Motiven nach. Von allen sie umgebenden Männern wird sie als jemand behandelt, der mit Denken so was wie Amtsanmaßung betreibt. Ihr erster Mann, der Herr mit Schnauzer (Georgios Tsivanoglou) behandelt sie sogar schlichtweg wie Vieh.

Er ist der Ausgang dieser Mordserie, und Fassbinders Stück sagt: Hier handelt es sich um Notwehr gegen die Macht der Männer. Drastischer noch als Fassbinders eigene, seltsam psychedelisch verfremdete Verfilmung (Meer rauscht über Blue Screens, vor denen das Ensemble auf einer fast leeren Theaterbühne agiert) werden die knalligen Szenen aneinander geschnitten, dazwischen Schwärze, Livemusik (Julius Heise).


Einfache, zugleich hoch stilisierte Figuren Choreografien. Etwa wenn Greesche in einem Kreis von Männern kniet – einer davon ihr erster, einer dann ihr zweiter Ehemann – und sagen soll: Ich liebe dich. Ich bin scharf auf dich. Und wenn sie es sagt klingt es nicht einmal gelogen. Das ist der Gegenpart der Unterdrückung: die Ausbeutbarkeit. Auch davon muss sich Greesche befreien, während sie sämtliche Vertreter patriarchalischer Strukturen und religiösen Dogmatismus um sich rum aus dem Weg räumt. Sie wird hart, wirft ihr ihr zweiter Mann, Gottfried, einmal vor (sehr gut, ein Fassbinder-Double mit Sonnenbrille: Boris Jacoby). Heute würde man sagen: professionell.


"Ich will mit all dem nichts zu schaffen haben"

Krista Birkner spielt Greesche mit einem Facettenreichtum, der plausibel macht, was das Stück selbst hin und wieder plakativ behauptet: Dass hier jemand kämpft um das simple Recht, eigene Entscheidungen zu fällen, ein eigenes Leben zu leben, und zu lieben, wen und wann sie will. Halb aus Versehen vergiftet sie auch Gottfried, der sie nach Schwängerung verlassen will, da er es angeblich nicht ertrüge, ein eigenes Kind zwischen ihren aus erster Ehe herumlaufen zu sehen. "Ich will mit all dem nichts zu schaffen haben", sagt er immer wieder. Bindungsangst galore – kein Thema, das 2016 vom Tisch wäre.

Mit jedem Tod, den sie sich aufs Gewissen lädt, wird Geesche wahlloser: eine Art Rachemaschine, die nurmehr der eigenen Verwirklichung nachlebt. Wenn sie sich in einer der letzten Szenen selbst mit Lippenstift Blutspuren auf die Arme malt und dabei von Freiheit schwärmt, hebt Birkner die Figur auf die Fallhöhe einer modernen Medea – konsequent bis zur Selbstvernichtung, aber auch hart am Irrsinn.


Aktuelle Geschichte um Selbstbestimmung

Catharina Mays Inszenierung, die sich etwas stark an Robert Wilsons Ästhetizismus orientiert, wird durch ein fulminantes Ensemble austariert: Joachim Nimtz spielt den Vater virtuos zwischen alterweise und Despot, Ursula Höpfner-Tabori brilliert als strenge, verhärmte Mutter und Axel Werner als Pater spielt fast alle an die Wand, in einer ganz kurzen Szene, kühl und komisch zugleich. Und auch das Entblößen vom zeitlichen Dekor, das in Fassbinders Verfilmung sehr theatral-präsent ist, durch Karl-Ernst Herrmanns Bühne und die Kostüme von Wicke Naujoks, tut dem Stoff gut.


Denn erschreckend, wie aktuell diese Geschichte um weibliche Selbstbestimmung in einer Welt aus Macht und Dummheit noch immer ist. Sicher laufen viele Mechanismen lautloser ab als vor 45 Jahren. Spätestens aber als Greesche sich von ihrem Bruder, aus dem Krieg zurückgekehrt, erzählen lassen muss, sie könne unmöglich als Frau die Firma ihres Vaters leiten, merkt man, wie viel noch zu tun ist, bis solche Inszenierungen vielleicht einmal überflüssig sein werden.



bz, 22. Mai 2016

Berliner Ensemble: Mordserie auf dem Laufsteg

von Olaf Mehlhose


Catharina May inszeniert das Trauerspiel „Bremer Freiheit“ von Fassbinder am Berliner Ensemble. Premiere am Samstagabend im restlos gefüllten Pavillon.


Was bringt eine Frau aus einem bürgerlichen Haus dazu, die unvorstellbarsten Verbrechen zu begehen? Dieser Frage ging Rainer Werner Fassbinder († 37) in seinem Trauerspiel „Bremer Freiheit“ von 1972 nach, in dem er den historischen Fall einer Massenmörderin auf die Bühne bringt. Catharina May inszeniert das Stück des Regie-Meisters am Berliner Ensemble. Premiere am Samstagabend im restlos gefüllten Pavillon.


Hauptfigur des Stücks ist die Serienmörderin Geesche Gottfried. Anfang des 19. Jahrhunderts vergiftete sie insgesamt 15 Menschen mit Arsen. Darunter ihre Mutter, ihr Vater, ihr Bruder, ihre beiden Töchter und zwei Ehemänner. Sie wurde zum Tod durch das Schwert verurteilt. 1831 wurde das Urteilt vollstreckt. Etwa 35 000 Menschen sahen zu.

Aber Fassbinder geht es nicht um die Tat der Giftmischerin, sondern um ihre Beweggründe. Geesche Gottfried mordet, weil sie frei und glücklich sein will. Alle Opfer standen ihr dabei im Weg: der tyrannische Ehemann, die strengreligiöse Mutter, der autoritäre Vater… Doch ihr Versuch, sich aus einer männerdominierten Gesellschaft zu befreien, endet in der Katastrophe. Am Ende reicht der geringste Anlass aus, damit sie wieder Gift in den Kaffee mischt.


Der Regisseurin gelingt es, den schwer verdaulichen Stoff erträglich zu gestalten. Weil der Zuschauer alle Morde aus der Perspektive von Geesche Gottfried erlebt, hat er sogar Verständnis für sie. Hinzu kommen die tollen Schauspieler, die auf einem Z-förmigen Laufsteg zur Hochform auflaufen – allen voran die beeindruckende Hauptdarstellerin Krista Birkner (als Geesche Gottfried). 90 temporeiche, aufregende Minuten, nach denen man erstmal keine Lust mehr auf Kaffee hat.




Das Kulturblog, 26. Mai 2016

Fassbinders „Bremer Freiheit“ am Berliner Ensemble

von Konrad Kögler


„Bremer Freiheit“ zählt nicht zu den Rainer Werner Fassbinders bekanntesten Werken, die er wie in einem Arbeitsrausch und mit massiver Selbstausbeutung in sehr hoher Schlagzahl auf den Markt brachte.


Vorlage für sein 16. Theaterstück, das 1971 in Bremen uraufgeführt wurde, war ein Kriminalfall aus der Stadtgeschichte: Gesche (oder in Fassbinders alternativer Schreibweise: Geesche) Gottfried brachte Anfang des 19. Jahrhunderts 15 Menschen um, darunter ihre beiden Ehemänner, ihre Eltern und ihre Kinder. Fassbinder erforschte in seinem Drama, das nur ein Jahr später auch als Fernsehfilm ausgestrahlt wurde, die Motive der Frau. Ganz auf der Höhe des Zeitgeistes der frühen 70er Jahre sieht er seine Hauptfigur Gesche als eine Frau, der von gefühlskalten Männern, patriarchalen Strukturen und religiösen Zwängen die Luft zum Atmen abgeschnürt wird. Aus Notwehr greift sie zum Arsen, das sie in den Kaffee träufelt.


Catharina May bringt diesen selten gespielten Stoff in ihrer ersten eigenen Regiearbeit auf die Bühne des Pavillons im Hof des Berliner Ensembles. Erfahrungen sammelte sie als Assistentin von Claus Peymann bei seiner jüngsten Handke-Inszenierung und von Robert Wilson bei seinem Faust-Musical.


In kurzen, präzise komponierten Szenen trifft die Hauptdarstellerin Krista Birkner als Gesche Gottfried auf ihre Kontrahenten, die sie in scharfem Ton mit ultimativen Forderungen bedrängen: Mal ist es der erste Ehemann (Georgios Tsivanoglou), der breitbeinig rumsitzt und sie barsch herumkommandiert. Mal ist es der Vater (Joachim Nimtz), der sie gegen ihren Willen mit einem Vetter verheiraten will. Mal ist es die verhärmte Mutter (Ursula Höpfner-Tabori), die verlangt, dass sie die Affäre mit einem Mann beendet, da sie damit Schande über die Familie bringt und gegen religiöse Gebote verstößt. Ihr Bruder (Stephan Schäfer) verlangt, dass sie ihm die Leitung des Familienbetriebs übergibt.


Die Szenen ähneln sich in der Grundkonstellation: Gesche wird in die Enge getrieben, versucht zunächst schüchtern, dann immer selbstbewusster, ihre Position klarzumachen, beißt aber auf Granit. Scheinbar lenkt sie ein und bietet mit Unschuldsmiene den tödlichen Kaffee an.

Es ist vor allem dem überzeugenden Spiel der Hauptdarstellerin zu verdanken, dass die neunzig Minuten weder langweilig wirken noch in platte Emanzipations-Rührseligkeit abdriften. Zurecht lobte die Berliner Morgenpost den „Facettenreichtum“ der Gesche Gottfried, die in ihren Handlungen nicht zum serienmordenden Monster, sondern nachvollziehbar wird.



kultur 24, 26. Mai 2016

R.W. Fassbinder im Berliner Ensemble

von Severin Lohmer


Aus gegebenem Anlass möchte ich diese Kritik einmal anders beginnen: Das Stück „Bremer Freiheit“, dass seine Premiere am 21. Mai im Berliner Ensemble feierte, ist die erste Inszenierung der jungen Regisseurin Catharina May. Die erste Regiearbeit ist für jeden Regisseur immer etwas ganz besonderes. Dazu muss man wissen, dass die meisten angehenden Regisseure nach langer Ausbildung häufig als Assistent in irgendeinem Provinznest landen und selbst dort vergeblich auf ihre erste Regiearbeit warten müssen. Catharina May studierte in Wien, arbeitete danach bei verschiedenen Regisseuren als Assistentin, bevor sie schließlich zum Berliner Ensemble kam. Zur Entscheidung, Catharina May ihr erstes Stück am BE inszenieren zu lassen, kann man dem Intendanten Claus Peymann nur gratulieren.


Rainer Werner Fassbinders 16. Bühnenstück „Bremer Freiheit“, uraufgeführt 1971 (und von ihm selbst 1972 verfilmt), geht auf eine Anfang des 19. Jahrhunderts tatsächlich stattgefundenen Mordserie in Bremen zurück. Gesche Gottfried mordete dort mehrere Jahre in ihrem engeren Umfeld. Ihre beiden Ehemänner, ihren Liebhaber, drei ihrer Kinder, ihre Eltern und weitere 7 Personen. Sie war 1831 in Bremen die letzte Frau, die öffentlich enthauptet wurde. Noch heute gibt es einen Erinnerungsstein am Bremer Dom.


Natürlich geht es Fassbinder nicht nur um die spannende Kriminal-geschichte, sondern um die Motivlage. Warum wird eine Frau zur Mörderin? „Bei mir geht es um die Ausbeutbarkeit von Gefühlen, von wem auch immer sie ausgebeutet werden.“ – „Meine Auffassung von Liebesgeschichten klassischer Art ist, dass Zweierbeziehungen Unterdrückungsstrategien der bestehenden Gesellschaft sind.“

Ein Kriminalhauptkommissar aus der heutigen Zeit zum Wesen weiblicher Tötungskriminalität: „Wenn Frauen töten, dann hat das immer auch etwas mit Männern zu tun. Ihre Taten basieren häufig auf zwischen-menschlichen Konflikten, die gravierend sind oder als gravierend empfunden werden und mit einer Fremdbestimmung durch den männlichen Partner einhergehen. In der Mehrzahl der Fälle sollen durch die Tat Beziehungen verhindert oder beendet oder ermöglicht werden – inkriminierte Befreiungsschläge.“


Der Bühnenbildner Karl-Ernst Hermann hat eine einfache, aber sehr vielseitig bespielbare Bühne geschaffen. Ein roter Laufsteg zieht sich wie ein Blitz durch den Raum, die dazugehörige Beleuchtung erinnert sehr an Catharina Mays ehemaligen Meister Robert Wilson und die einzigen Requisiten bestehen aus 15 harmlosen Kaffeetassen.


Catharina May kann im Berliner Ensemble auf ein wunderbares Ensemble zurückgreifen: Da ist zunächst die Hauptfigur, Krista Birkner, die sehr einprägsam eine kraftvolle Frau spielt, die einfach nur leben und lieben möchte und nur durch die Umstände zu einer beängstigenden Mörderin wird. Ursula Höpfner-Tabori überzeugt als strenge, vom Leben gezeichneten Mutter. Und bei den Männern treten vor allen Joachim Nimitz als Vater der Mörderin und Axel Werner als Pater hervor.


Wie lebte und liebte Fassbinder als Regisseur in seinem Verhältnis zu seinen Darstellerinnen? In seinem Stück „Bremer Freiheit“ traut keiner einer Frau zu, den Betrieb ihres Mannes zu übernehmen. Das hat sich heute mit Angela Merkel und vielen weiblichen Frauen in der Politik sehr geändert.


In der Welt des Theaters sieht es leider anders aus: Während noch vor wenigen Jahren 16 % der Theaterhäuser von Frauen geführt wurden, sind es heute nur noch 7 %. Ab 2016 müssen börsennotierte Konzerne 30 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. Ob sich solch eine Regelung jemals für Theater durchsetzen ließe, die uns doch so gerne den Spiegel der Gesellschaft vorhalten?



pagewizz, 22. Mai 2016

Berliner Ensemble: Kritik von "Bremer Freiheit"

von Steffen Kassel


Premiere im Pavillon. Rainer Werner Fassbinder reloaded. Eine desillusionierte Giftmischerin tötet Ehemänner, Verwandte und Bekannte, um sich den Weg freizuschaufeln.


Momentan schaltet und waltet das Berliner Theatertreffen. Angesichts des Großspektakels droht diese Premiere beinahe unterzugehen. Dabei war das von Fassbinder inszenierte "bürgerliche Trauerspiel" 1972 beim Theatertreffen vertreten. Aber Theaterfunktionäre, Kritiker und Berufszuschauer interessieren sich mehr fürs Aktuelle. Nun, ein wenig anachronistisch ist das Thema von "Bremer Freiheit" schon. Das Stück spielt im Bremen der 1820er-Jahre, wo die vordergründig brave Ehefrau Geesche jeden, der ihr in die Quere kommt, mit Arsen wegräumt. Alle wollen ihr ins Leben hineinreden, über sie bestimmen und ihre Emanzipationsbekundungen im Keim ersticken. Insgesamt kommen durch ein infernalisches Kaffeegemisch 15 Menschen zu Tode. Geesche gerät nach einer anfänglichen Initiationsphase in einen unkontrollierten Todesrausch: Schon beim Anklingen eines kleinen Unterdrückungsversuchs wird ein vermeintlicher Privatusurpator in den Himmel geschickt.

Trotz der serienmäßigen Morde will sich keine Routine einstellen.

Die Bühne (Karl-Ernst Herrmann) besteht aus einem langen Laufsteg, der an den beiden Enden zackige Ausläufer aufweist. Wie beim Catwalk sitzen die Zuschauer rechts und links außerhalb der Schneise. Auf der Bühne steht allerdings kein Model, sondern die Schauspielerin Krista Birkner, die von einem Entsetzensanfall in den nächsten rutscht. Sie ist keine strategisch vorgehende Killerin, die routiniert und kaltblütig ihre Selbstjustiz ausführt. Erst beim Mord an Luisa Mauer entfaltet Geesche, die den Vorwurf, ihr Leben sei eine Hölle, nicht ertragen kann, eine von reiner Boshaftigkeit getragene Gewohnheitscleverness. Kaum ist das Gift im Körper, setzt sie ihre noch lebendige Freundin Luisa davon in Kenntnis. Fassbinder-Kenner erinnern sich womöglich an Hanna Schygulla aus der Originalverfilmung, an deren Personal sich vor allem Peymann aus Berufsgründen erinnern mag. Wer da auf dem Boden liegt, ist nun Karla Sengteller, erstarrt wie eine in Blei gegossene Statue, die vom Medusenblick getroffen wurde.

Man trägt gerne Leder (Kostüme: Wicke Naujoks). Die Schauspieler sehen aus, als kämen sie gerade vom letzten Rockertreffen. Georgios Tsivanoglou, der mit nassem geglättetem Haar auftritt, das im Nacken zu einer kranzartigen Lockenpracht ausufert, stirbt, kaum dass er da ist. Boris Jakoby als ihr zweiter Ehemann Gottfried darf länger durchhalten, nur kann er es nicht ertragen, dass seine anvisierte Gattin Geesche zwei von ihm nicht gezeugte Kinder mitbringt – der Metzger Oskar aus Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" lässt grüßen. Auch die Mutter (Ursula Höpfner-Tabori) quatscht unnötig herum mit ihren – in diesem Fall matriarchalen - Direktiven. Also muss sie eliminiert werden, wie Gottfried, der die Frau als dressiertes Haustier betrachtet. Verblüffend an dieser Inszenierung ist die Textnähe zum Original. Vom nicht eingebauten Pessar ist ebenso die Rede wie vom ungeliebten Geliebten, der dafür sorgen soll, dass "das Leben fürderhin in einer ruhigen Bahn" verläuft. Die wortgetreue Nachbearbeitung ist keineswegs ein Hindernis – es kommt darauf an, was die Schaupieler*innen daraus machen. Das Ergebnis ist nicht das Schlechteste.


Veraltetes Thema, darstellerisch durchaus innovativ

Nach anfänglichem Startschwierigkeiten gewöhnt sich Geesche allmählich an die rituelle Kraftaufwandseuthanasie. Dennoch will sich angesichts der endlosen Wiederkehr des Gleichen keine fundamentale Abstumpfung einstellen. In ihren Augen ist es ein von ihr gewollter assistierter Suizid, doch das Gesicht spricht eine andere Sprache. Krista Birkner lässt sich bei jeder im Vorfeld beschlossenen Auslöschungsnummer in eine fassungslose Erschütterung hineinfallen, die ein hohles, ausdrucksloses Entsetzen hervorbringt. Ein Gesichtsvakuum, das irgendwelche über- irdischen Mächte anzuflehen scheint – dem aber auch die Schattierungen fehlen. Ihr magentafarbenes Oberteil scheint am Leib zu kleben und zu zittern, daneben liegen die unvermeidlichen Pumps, als würden die Verhältnisse ihr permanent die Schuhe ausziehen, daneben ein Turmkocher und ein antiquarischer Wasserkessel. Fassbinder hat bei jedem rituellen Mord Klaviermusik einspielen lassen – die Neuregisseurin May verzichtet darauf. Stattdessen arbeitet sich der Musiker Julius Heise am Xylophon oder Marimba ab, um etwas Atmosphäre zu schaffen, die die Zuschauer nicht emotional einlullt. Sicherlich, die emanzipatorischen Überlebensversuche von Geesche sind veraltet, heute würde eine freiheitslüsterne Frau das private und berufliche Umfeld oder gar die Stadt wechseln, um in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft (früher "wilde Ehe") ihr Glück zu suchen. Dennoch ist die Inszenierung von Catharina May ein Stück realer Geschichte. Und die Darstellung ist nicht museal, sondern hochmodern. Ein bescheidener Ort im kleinen Pavillon, aber ein jederzeit kurzweiliger Abend, der viel aus der Vorlage herausholt.


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